2015 Fünfzehn Sein

Augen auf. Radio an. Das erste, was wir* morgens mit 15 gemacht haben. Wie ist das bei Anna? Ein Blick in das Leben von einer 15-Jährigen.

“Um halb sieben muss ich aufstehen. Dann mach ich mein Internet an. Dann gehe ich erstmal auf Snapchat, WhatsApp, Instagram. Und dann mach ich das Internet wieder aus, damit ich mich in Ruhe fertig machen kann. ”

Augen auf, Handy an: Normalerweise warten morgens 3-6 Snapchats und 20 Whatsapp Nachrichten auf sie. Nachdem sie sich angezogen und geschminkt hat macht sie oft noch ein “Guten Morgen-Snapchat-Selfie”.

Anna hat insgesamt um die 35.000 Snaps. Sie hat 17.466 empfangen, 17.324 geschickt. In ihrem Freundeskreis haben manche Leute aber auch schon  100.000 Snaps angesammelt. “Voll krass.”

Auf Facebook geht Anna erst später, im Bus, wenn überhaupt. “Manchmal bin ich auch zwei Tage nicht auf Facebook. Es ist nicht mehr so interessant. Instagram ist viel interessanter geworden. Bei Facebook dauert es immer so lange bis es lädt – da gibt es immer so viel Neues – viel banales und viel Werbung.”  

Die wichtigsten Gerüchte zirkulierten bei uns auf kleinen Zettelchen durch die Klasse. Ist das bei Anna aktuell?

“Zettelchenschreiben haben wir noch in der fünften und sechsten Klasse gemacht. Das machen wir jetzt nicht mehr.”

Whatsapp hat das Zettelchen-schreiben in der Schule aber nicht ersetzt, sagt Anna. Die Handys müssen in der Schule offiziell aus sein. “In der Schule geh ich dann auch gar nicht mehr online. Ich guck nicht aufs Handy. Weil Schule ist Schule, da muss ich die fünf Stunden nichts mit dem Handy machen. Ich hab ja auch sonst genug Zeit dafür.”

Nach der Schule schreiben sich Annas Mitschüler über Whatsapp-Gruppen, zum Beispiel, wenn sie Fragen zu den Hausaufgaben haben. Anna hat eine Klassengruppe, eine Gruppentisch-Gruppe und zum Beispiel eine Gruppe, für den Französischkurs.  

Stundenlang haben wir nach der Schule MTV Music Television und die Zeichentrick-Serie Die Simpsons angeschaut...

“Ich guck kein Fernsehen. Wir haben zu hause einen Service, da kann ich direkt aus dem Internet streamen, mit guter Qualität. Ich hab 50.000 Filme und Serien zur Verfügung.” Nach der Schule geht Anna eher in die Stadt oder geht Longboarden. Filme guckt sie eher selten, wenn dann nur wenn Freunde da sind.

Wenn Sie alleine ist, spielt sie lieber auf der Wii. Neulich hat sie ein Zumba Spiel für die Konsole bekommen. Wenn man den Zumba Gürtel anzieht, kann man auf dem Fernsehbildschirm sehen, ob man alles richtig macht. “Jetzt stehe ich jeden Tag eine Stunde vor der Wii und mache Zumba. Das ist voll cool.”

 

Ein von @dwvolo15 gepostetes Video am

Hallo Frau Schmidt, ist Lisa da? Peinlich war das, wenn wir mit den Eltern von Freunden auf dem Festnetz reden müssten. Muss Anna das auch durchmachen?

Festnetznummern hat Anna gar nicht mehr.  Sie kommuniziert mit allen Freunden übers Handy. Auf dem Festnetzanschluss in ihrem Zimmer ruft eigentlich nur ihre Mutter an.

Weil ihr Freund 170 Kilometer weit weg wohnt, sind Skype Telefonate jedoch sehr wichtig für Anna.”Ich kann ja dann sein Bild sehen und mein Bild. Und als wir noch keine Bilder zusammen hatten haben wir dann immer so Screenshots gemacht, wo man immer unsere beiden Bildschirme gesehen hat.”

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Ein paar Seiten im Bett geschmökert, und schon fielen uns die Augen zu. Blättert Anna denn vor dem Schlafen noch, oder scrollt sie schon?

“So um halb 9 mache ich mich bettfertig. Ich lege mich um 9 hin, dann ist alles dunkel und dann bin ich noch bis halb 10 am Handy, manchmal auch bis 10. Dann mache ich mein WLAN aus, mach dann meinen Wecker an und  versuche zu schlafen.”

*Das sind wir mit 15:
Wir mit 15

Loveday Wright, Samih Amri und Emily Sherwin

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